Dr. Jürgen Mischke

Forschungsschwerpunkte

Namen- und Ortsnamenforschung
Stadtgeschichte Basel
Historisches Erzählen / Geschichtstheorie
Historische Diskursanalyse / Gesundheitsgeschichte
Mediävistik und Mediävalismus

Forschungsprojekt

Raum in der Sprache der Stadt. Eine historische Semiotik der vormodernen Stadt Basel (Arbeitstitel)

Die Stadt Basel ist überzogen mit einer Textur aus Strassen- und Platznamen, dem Stadttext. Die Sprache ermöglicht uns eine Orientierung in diesem Raum, die aber nicht nur eine räumliche ist. Sie konstruiert ein gesellschaftlich konsensualisiertes Bild dieser Stadt in der Sprachpraxis ihrer Bewohner. Der Stadttext steht deshalb im Spannungsfeld der Reflexion realer topographischer Verhältnisse, der Wahrnehmung der städtischen Bewohner des Raumes indem sie sich bewegen und der intendierten Figuration Stadt in der Namenspraxis selbst.

Eine Untersuchung dieser Namenwelt erfolgte in der bisherigen Ortsnamensforschung meist dahingehend, dass der Stadttext auf seine Ursprünge untersucht wurde, um den heutigen Bestand erklären zu können. Diese Arbeit schlägt eine gänzlich andere Richtung ein, zumal eine historische Perspektive an den Themenkomplex gelegt wird. Sie folgt daher einer kulturgeschichtlichen Strassennamenforschung, die erstmals durch Peter Glasner für den Fall Köln entwickelt wurde. Im oben angeschnittenen Verständnis der städtischen Ortsnamen als Stadttext lassen sich nämlich synchrone Namensschichten feststellen, die auf ihr semiotisches Spannungsfeld untersucht werden können. Mit einer diachronen Sichtung dieser Schichten und ihrer zeitgenössischen Bedeutungsebenen begeben wir uns auf das Feld einer Sprachgeschichte, die den Menschen, seinen Lebensraum und seine Sprache gleichermassen zum Gegenstand hat und die Grenzen einer klassischen Linguistik interdisziplinär mit poststrukturalistischen Methodenkonzepten erweitert. Es interessiert dabei beispielsweise ganz im Sinne Foucaults, warum zu einer gewissen Zeit an einem gewissen Ort genau diese Aussage, dieser Name auftaucht. Untersuchungsgegenstand darf daher nicht nur der Strassenname im heutigen Sinn sein, zumal die Einheit Strasse mit einem Eigennamen selbst erst historisch konstituiert ist, sondern muss Ortsnamen als kulturelles Phänomen verstehen, als historisch veränderliche Sprachpraxis des urbanen Raumes. Um jeweils synchrone Bedeutungsebenen erschliessen zu können, bedarf es daher einer Vernetzung des (Kultur-)Textes mit zeitgenössischen Kontexten des Namens.

Unter den eben angerissenen Prämissen beabsichtigt das Dissertationsprojekt den Stadttext von Basel auf Prozesse des Wandels zu untersuchen und in diesem Wandel historische Veränderungen innerhalb der Interaktion Mensch, Sprache und Raum zu beleuchten. Dabei wird eine theoretische Auseinandersetzung mit dem urbanen Ortsnamen immer auch anhand des reichhaltigen Basler Namenskorpus rückgekoppelt werden können. Eingebettet in das Forschungsprojekt „Orts- und Flurnamenbuch Basel-Stadt“ in der Abteilung Sprachwissenschaft am Deutschen Seminar der Universität Basel hat dieses Dissertationsprojekt auch beste Voraussetzungen dafür.